Ressourcive Pädagogik - die Vitalität als Lehrmeisterin
Ressourcive Pädagogik zeigt, wie die Zukunft von Erziehung und Schulung aussehen kann. Sie arbeitet nicht nur mit äussern und innern Nutzressourcen wie Intiution, Wissen und Selbstwert, sondern auch mit den existentialen Ressourcen, namentlich Cleverness und Lebenslust. Zudem lädt sie dazu ein, auf den Strömen von Vitalität und Lebenslust zu surfen.
Zwei Grundsätze: Schwierige Schüler gibt es nicht, und das Wesentliche kann man nur erfahren, nicht lehren.
Die Umsetzung dieser Prinzipien geschieht in der GasserSchule, z.B. in der GasserSchule am Bodensee
1. Schwierige Schüler gibt es nicht
Der Mensch ohne Lösung Erziehen ist schwierig und führt zu keinem Ende. Ist dies eine These oder eine Tatsache? Ist Erziehung gleichbedeutend mit Dauerproblemen und halben Lösungen? Seltsam, dass Erziehung immer wieder mit Problemen und vollkommenen Lösungen verbunden wird. Man kann Menschen nicht lösen. Eine Erziehung, die die Menschen von ihren Problemen zu erlösen sucht, praktiziert den Misserfolg. Denn die Entwicklung und das Lernen eines Menschen ist keine Aufgabe die sich lösen liesse. Entwicklung und Lernen ist ein Prozess, der ständig komplexer wird. Es ist eine ständige Bereicherung von Wissen, Schlauheit und Erfahrungen durch Erfolge und/oder Missgeschicke, es ist Überleben und neu Aufleben. Lernen ist keine Erlösung und schon gar keine Lösung. Kann man Schwimmen lösen? Nein - Schwimmen muss man tun, um über den See zu kommen. Schwimmen hat keine Lösung ausser dem Schwimmen.
Problem Mensch?
Der Mensch ist kein Problem, sondern ein innerer Ort, der lauter Einmaligkeiten herstellt. Einzigartige Erfahrungen, Absichten, Erfolge und Misserfolge. Im Verlauf seiner Entwicklung hat der Mensch zwar Probleme zu lösen. Aber er hat nicht die Aufgabe, sich selbst abzulösen oder sich zu lösen.
"Der Mensch ist Würde." Dieser humanistische Grundsatz, der aus der Aufklärung des 19. Jahrhunderts stammt, wird im Alltag oft unterlaufen. Der Lehrer sagt: "Meggy, sei jetzt brav"; dieser Satz zeigt auf, dass der Lehrer überzugt ist, dass die Person Meggy im Augenblick nicht brav ist. Er meint dabei Meggy und nicht ihr Verhalten. Denn was Meggy tut, das ist sie auch, denkt er. Eine ähnliche Denkweise finden wir im Satz: "Stefan ist seit einem halben Jahr schwierig." Und der Vater Artho klagt: "Beth ist leider schlecht in Mathematik." ....nun, was soll an diesen Sätzen falsch sein? "Sie beschreiben doch Tatsachen!" lautet der Einwand von Vater Artho. Nein, eben gerade nicht, sagt die ressoursive Pädagogik. Diese Sätze beschreiben keine Tatsachen, sondern Deutungen, die zudem zu einer sehr ungünstigen Haltung gehören, denn diese glaubt, dass es tatsächlich "schwierige Schüler" gibt.
Gibt es schwierige Menschen? Es gibt keine schwierigen Schüler, sondern nur Schüler mit mehr oder weniger Schwierigkeiten. Wieso das? Der Schüler ist eine Person, die zu tun hat mit vielen Aufgaben und mit Lebensgestaltung, mit Demotivation und mit vielen Ängsten. Aber deswegen kann man nicht sagen "er ist schwierig". Menschen sind nicht schwierig, auch wenn ihr Verhalten uns Schwierigkeiten macht. Das Verhalten des Schülers kann schwierig sein, aber doch nicht die Person. Die Person ist voller Sehnsüchte, Erwartungen, Hoffnungen und Lebensintensität. Auch wenn das Leben für sie schwierig ist, ist nicht die Person es, die schwierig ist.
Zerstörung von Lebensenergie Es ist manchmal gar nicht das Verhalten meines Kindes welches schwierig ist, sondern umgekehrt. Mir bereitet meine Reaktion auf das Verhalten meines Kindes Schwierigkeiten, dennoch kommt es mir nie in den Sinn zu sagen: "Ich bin schwierig." Genauso falsch ist es doch, wegen irgendwelchen Turbulenzen zu sagen: "Du bist schwierig." Anstatt die Probleme als das zu sehen, was sie sind (nämlich Aufgabe, die zu bewältigen sind), projiziert unsere gewohnte Denkform die Schwierigkeiten in die Person. In der traditionellen Pädagogik ist dies gang und gäbe, aus der ressourciven Perspektive wird es als das angesehen, was es ist: Zerstörung von Lebensenergie. Und die Alternative? "Wenn dir die Allianz zwischen dem Lernenden und seiner suchenden Lebenslust gelingt, und wenn du die vitale Energie des Jugendlichen (fragen und in Frage stellen, eigener Rhythmus und Schwung) beachtest, dann wirst du sehen: Widerstand ist keine Verweigerung, sondern ein Angebot auf dem Markt des Flows. Flow ist der Strom von erlebter Vitalität. "Ressourciv" heisst, nicht nur mit den Nutzressourcen (Bücher, Wissen, Selbstwert), sondern auch mit den existentialen Ressourcen (Athmosphäre, Genialität) zu arbeiten und auf den Strömen der humanen Energien zu "surfen".
Betörung und Flow-Blockade Ressourcives Denken geht von zwei Ursachen für Störungen aus: Betörung und Flow -Blockade.
Erstens: Treten Schwierigkeiten bei Jugendlichen auf, betört sich jemand, das heisst, Bewusstsein und Denken werden vernebelt. Man nehme Selbstbetörung weg, gebe dem Schüler Raum, und lasse ihn seine Schlauheit aktivieren, lehre ihn, wie er seine Cleverness einsetzen kann, um beides zu erreichen: sich selbst verwirklichen und Leistung erbringen.
Zweitens: Jede Störung ist eine Flow-Blockade bzw. eine Energie- Verschwendung. Also übergibt man dem Schüler die Macht, sich selbst zu organisieren, dann ändert sich auch sein Störungs-Schwierigkeits-System.
Drittens genügt Freiheit alleine nicht, um die eingene Selbstorganisation zu beherrschen. Man muss ihn schon lehren, wie das Coaching, der Sebstständigkeit vor sich geht.
Nur das Umwesentliche lässt sich lernen, als da sind Stoff, Methode, Wissen, fremde Einsichten, Bücher, Inhalte, korrekte Verhaltensweisen, richtige Grammatik. Das Wensentliche kann man allerdings nur erfahren oder selbst entdecken. Das heisst, die eigenen Genialität wirklich ernst nehmen und sie so weit bringen, bis sie sich erfahren lässt. Und bis die aktivierende Lust es bei sich nicht mehr aushält und sich in Leistung ausdrücken muss. Dieses Muss, das aus der Lust zum "Mehr-wissen" kommt, ist das einzige Müssen, das produktiv ist. Alle andern "Sollen" und Zwänge, die vielen "Du musst" und "Mach endlich" verschlingen mehr Energie, als sie zu Tage fördern.
Wer muss, will nicht Folgendes Beispiel stellt dies kurz dar: Jonas zu seiner Mutter: "Wo ist das Essen?" Darauf sie: "Jonas mach zuerst deine Aufgaben, dann gibt es das Nachtessen." Nach diesem Dialog ist es sehr wahrscheinlich, dass Jonas eine Ausrede benutzt, etwa wie: "Ich habe die Aufgaben schon gemacht." Oder: "Für die Hausaufgaben der Schule gibt es nicht viel zu tun." Die Energieform, in welcher die Mutter arbeitet, ist jene von Erwartungen und Druck: Die Mutter befiehlt, und für sie ist die Leistung im Zentrum. Das provoziert bei Jonas automatisch die Lebenslust, denn Lebensenergie will nicht, soblad sie muss.
Widerspruch als Schutz der Lebenslust Statt einer Ausrede kann Jonas auch das Werkzeug der Opposition nutzen: "(Du bist) blöd! Ich habe jetzt Hunger und ich bin müde. Ich mach es dann nachher, sicher." Die Mutter fokussiert auf die Pflicht, aber für den Sohn Jonas steht dessen eigener Rhythmus im Vordergrund. Der Druck im Befehl ist der Grund, warum er verweigert. Wir Menschen reagieren nicht primär auf Leistung, sondern auf die Energieform: Druck erzeugt Druck. Will Jonas bei sich und seinem Flow bleiben, so "muss" er sich ihren direktiven Anordnungen widersetzen. Er praktiziert Widerspruch oder Flucht (Ausrede) - eine in der Energielogik korrekte Reaktion, aber leider unproduktiv für das Leben und die Leistung. Der Vorschlag der ressourciven Pädagogik lautet nun, in jeder Leisstung die Energieform vorrangig zu behandeln und das Resultat der (sich ergebenden) Leistung auf den zweiten Platz zu setzen. Die Leistung wird dann besser werden und es werden weniger Schwierigkeiten entstehen.
Ressourcieren statt befehlen Wie könnte der Dialog zwischen Mutter und Jonas nicht rechthaberisch sondern förderlich verlaufen? Erst mal ist vorausgesetzt, dass es dem Jonas einleuchtet, dass Hausaufgaben sinnvoll sind, und dass es für ihn Sinn macht, sie schnell zu erledigen. Dazu sind Gespräche nötig, die vor der kontreten Situation gehalten werden. Dies vorausgesetzt, lautet im erwähnten Augenblick das Spiel von Denkangeboten etwa so: "Jonas, was willst du heute noch machen?" Jonas: "Schwimmen, beim Kollegene spielen, und es gibt noch Hausaufgaben." Was möchstet du für eine Note in der nächsten Fachprüfung erreichen?" "Eine Fünf genügt." "Wie schaffst du es nun am schnellsten, das dazu nötige Wissen zu erarbeiten? Soll ich dir helfen? Oder ist es für die Fünf besser, wenn du dich gleich hinsetzt, oder ist es einfacher, dass du es nach dem Nachtessen versuchst, wenn du müde bist?" Jonas: "Eigentlich wäre es am schnellsten jetzt, aber mein Freund wartet." Mutter: "Möchstet du ihn anrufen, dass er wartet, oder soll er herkommen? Oder was gibt es sonst für eine Möglichkeiten, damit du am cleversten alle deine Interessen unter einen Hut bringen kannst? Jonas beschliesst, die Aufbgaben sofort und schnell zu erledigen, um nachher über mehr Freiheit verfügen zu können.
Wie wirkt der ressourcierende "Mechanismus" Die Mutter spricht nicht über Leistung und Pflichten, sondern aktiviert das Selbstbewusstsein von Joans. Sie ermuntert ihn, dass er sein Denken nutzt und dass er lernt, das zu tun, was er wirklich will, und nicht nur das, was die Bedürfnisse seines Augenblicks sind. Und es ist erstaunlich, wie Jugendliche plötzlich Interesse zeigen, den effizientesten Weg zu wählen, der allen Interessen optimal gerecht wird. Das ist ressourcives Vorgehen. Die sechs grossen Instrumente dazu sind: Arbeit am Bewusstsein, gecoachte Selbstrorganisation, effiziente Nutzung der humanenen Energien und ihre Logik (Human Energy Management), Navigation auf den Flow, förderliche und listige Strategien (Vorderlist) und schlaue Kommunikation.