Gemeinschaft als Herzens-Verwandtschaft ist eine Mehrschaft

Der Mensch ist auch ein soziales Wesen. Er ist Interessengruppe, Gesellschaft, Gemeinschaft, Freundschaft und Innigkeit.

Als Interessengruppe ist der Mensch Konsument und Individuum mit eigenen Bedürfnissen. Dabei führt verschiedene Rollen aus wie Schüler, Eltern, Partner, Arbeitende Person, Party-OrganisatorIn, usw.

Der Mensch ist auch ein Gesellschaftswesen und bildet dabei ein interaktives Netz, das für seine ökonomische, politische, technische, kulturelle und soziale Existenz notwendig ist.

Als Gemeinschaft ist der Mensch persönlich mit den Mitgliedern seiner Gemeinschaft verbunden. Gemeinsame Erfahrungen, persönliche Lebensziele. Und hohe emotionale Bedeutung gehören dazu. Dabei umfasst der Begriff Gemeinschaft ein grosses Spektrum. Das reicht von Gemeinschaftsformen eines Clubs (Fussballclub, Alpenclub, Schulfreundschaften, Reisegesellschaften während langer Zeit, Kollegencliquen) bis hin zu ganz engen Lebensgemeinschaften wie Ehepartner, Familie, spirituelle Wohngemeinschaften, Klostergemeinschaften, Abenteuer gruppen, Seelenverwandtschaften)

Eine tiefe Freundschaft, eine sehr enge Herzens-Verwandtschaft, eine Sinn- und Schicksalsgemeinschaft ist eine noch stärkere und engere Form von gegenseitiger Verwobenheit als die Gemeinschaft es vermag. Die stärkste Form von gegenseitiger Verflechtung ist der hieros gamos (griechisch = heilige Heirat), d.h. die völlige Verschmelzung zweier Seelen jenseits von materiellen oder emotionalen Bedürfnissen und Interessen.

Mehrschaft heisst, dass jeder, der mit dem Herzen (was etwas anderes ist, als die Gefühlsbeziehung) mit anderen verbunden ist, Teil eines ressourcierenden Feldes ist. Dadurch erhält er und seine Verbindung einen "Mehrwert", eine "Mehr-als-Bindung", eine "Mehr-als-Beziehung". Er ist mehr als er selber ist. Er ist mehr als die Freundschaft ist. Er  baut Freundschaftlichkeit überhaupt auf. Er ist Teil der Mehrschaft. Er IST Mehrschaft indem er den Kreislauf des Herzens aktiviert.

Ursprungs- und Dienstgemeinschaft

Ursprung? Gemeinschaft?

Ursprungs-Gemeinschaft bedeutet:  Die Gemeinschaft setzt sich dafür ein, den Ort wo sie wirkt, und die Tätigkeiten, die sie ausübt so zu gestalten, dass Bildung entsteht, dass Zukunft wächst, dass innovative Projekte eine Chance erhalten. Ursprungsgemeinschaft heisst, die Gemeinschaft will selbst Ort sein, wo neue Ideen entsteht, wo das Alte neue Formen findet, wo die Themen von Zukunft, Bildung, Menschheit und Kommunikation einen Ort finden, an dem sie sich aktiv vernetzen können und Synergien finden.

Ursprungsgemeinschaft ist gleichbedeudend mit "Ressourcierende Gemeinschaft". Ihr Ziel besteht darin, die Aufgabe  vom Gärtner zu übernehmen, der Rosen giesst, düngt und Unkraut jätet. Die Rosen die durch die Ursprungsgemeinschaft gegossen und gedüngt werden sind keine  biologischen Blumen,sondern die Blumen des Lebens, des Bewusstseins, der Lebendigkeit, der neuen Mitmensschlichkeit und der Zukunftsbildung,  So veersteht sich jede Zukunftsgemeinschaft, welche der Charte für Ursprungs- und Dienstgemeinschaft folgt.

Die Unterschiede zu anderen Gemeinschaftsformen können folgendermassen charakterisiert werden.

Eine Besitzgemeinschaft versteht sich als Verwalterin von Vermögen, von Besitztum, will Profite erarbeiten und den Bestand sichern.

Eine Wohngemeinschaft will gegenseitig am selben Ort wohnen den Alltag gestalten, Gespräche und Miteinander haben, ohne dabei auch beruflich oder in anderen Projekten engagiert zu sein.

Eine Interessengemeinschaft vertritt anliegen und Bedürfnisse der beteiligten Mitglieder. Eine Interessengemeinschaft von besorgten Eltern tut sich z.B. zusammen um eine öffentliche Finanzierungsbeteiligung für die privaten Schulen zu ermöglichen.

Eine Schicksalsgemeinschaft bindet Menschen aneinander, die durch Schicksalsschläge zusammengehalten werden und in einer lebendigen Betroffenheit stehen. Z.B. eine Gemeinschaft von Leuten, die einen Flugzeugabsturz überstehen. Oder die Arbeitsgemeinschaft der Alinghi Crew, deren Mitglieder dann, wenn sie Sieger sind, oder wenn sie Verlierer sind, durch das Sieger/Verlierer Schicksal lebenslang verbunden sind. Verbände von Veteranen sind Organisationen, die Schicksalsgemeinschaften strukturieren. Menschen, die gemeinsam im Krieg waren, verwundet wurden und überlebten, sind miteinander auf geheimnisvolle Weise verbunden. Sie bilden eine tragische Schicksalsgemeinschaft. Tragische Schicksalsgemeinschaften wurden bei den alten Griechen in vielen Dramen dargestellt, etwa in der Tragödien von Sophokles über Antigone und in der Trilogie über Ödipus.

Eine Liebesgemeinschaft umfasst zwei oder mehr Leute, die aus Liebe zusammenfinden, zusammenhalten und füreinander einstehen, unabhängig davon, welche Berufe oder Positionen die Liebenden innehaben; es ist die Liebe die sie vereint und die sie zu einer intensiven Gemeinschaft verschweisst.. In vielen Fällen sind aber die vererbten sozialen Bindungen und Gruppeneigenschaften so stark, dass Liebe allein nicht genügt, um eine sozial wirkende Gemeinschaft zu bilden,, wie die Scheidungsrate von gegen 50% zeigt. Das Kastenwesen z.B. verbietet freie Liebesgemeinschaften, weil die Kastenvorschriften es nicht erlauben, dass eine Liebe über die Kastengrenzen sich als Gemeinschaft sozial etablieren darf.

Zukunftsgemeinschaft

Die Ursprungs- und Dienstgemeinschaft steht im Dienste des Lande- und Startplatzes für die Zukunft. Sie sorgt dafür, dass am Platz die Ideen der Zukunft, die Initiativen der Entwicklung und die Evolution des Bewusstseins alle Chancen bekommen, um auf dem Platz zu landen, dort verwirklicht zu werden, und so versorgt und ausgestattet zu werden, dass sie angereichert wieder starten zu können für das Wirken in weiterer Welt.

Da diese Gemeinschaft sich für die Bildung und im besonderen Masse für die Urbildung einsetzt, und da die Betreuung, Förderung und Ressourcierung von Kindern Basis aller Zukunft ist, und da die Zukunft neue Formen von Ursprünglichkeit braucht, nennt sich die Ursprungs- und Dienstgemeinschaft  auch "Bildungs- und Zukunfts-Gemeinschaft".

Fokus der Ursprungs- und Dienstgemeinschaft

Der erste Fokus ist die Umsetzung dieser Grundsätze bei sich selbst, bei der Praxis und Einübung der eigene Stimmigkeit, der Klärung des Bewusstseins, der waffenfreien Kommunikation, des Abbaus von Befehlen und Schimpfreden und deren Umwandlung in Einladungen und Anerkennungen. Dabei werden Selbstreflexion, Meditation, Gruppenaustausch, Sich-in-Fragestellen und die Übernahme der eigenen Verantwortung sehr ernst genommen.

Der zweite Fokus richtet sich auf den Dienst an der Urbildung (= die Entfaltung elementarer Selbstverständlichkeiten wie Grosszügigkeit, Lust am Geben, Flow, intensives Erleben, Umsetzung der eigenen Sehnsüchte, die tiefer sind als Bedürfnisse). Kinder und Jugendliche sollen den Stolz auf sich und ihre innere Grösse bewahren können oder diesen Stolz wieder aktivieren. Es geht darum, dass sie ihre Worte so differenzieren lernen, dass diese Worte und Sätze immer stärker und präziser ihre Gefühle, Stimmungen und Absichten artikulieren. Eine Jugend, die mit Lust lernt, die Lust hat auf Ehrlichkeit, Mitdenken und Fairness, ist das, was die Welt von morgen braucht. Bei der Urbildung gilt es auch, das Selbstbewusstsein zu wecken, in Form von Selbstschätzung, in einer differenzierten Sprache über sich selbst und in Wahrnehmung und Artikulation seiner Empfindungen, Gefühlen und Launen.

Der dritte Fokus geht darauf aus, diese Bildungs- und Schulungspraxis allen Interessierten zur Verfügung zu stellen: Eltern, Erziehenden, Bildungsbeauftragten, Ausbildnern der Ausbildner, Personen in ihrer Selbstgestaltung. Es geht auch darum, das Ressourcive Weltbild mit dem humanistisch personalen und mit dem traditionellen Werte-Weltbild in Auseinandersetzung zu bringen. Darum zu zeigen, wie die ressourciven Ansätze von Flow und Weite, von waffenlosen Einladungen, von effizienter Sanftheit den Interessierten Personen helfen, sich anders zu positionieren, als es in Vergangenheit und Gegenwart möglich war. Damit wird der neue Weg, der nötig ist, um die Zukunft förderlich aufzubauen, breiter und schneller gepfadet.

Der vierte Fokus betrifft die internationale Vernetzung mit Gruppen und Institutionen, die in dieselbe Richtung wirken (vgl. hierzu die Basis der gemeinsamen Projekte und der Charakteristik des Netzwerkes, in welchem diese Gemeinschaft wirkt).

Dabei werden etwa Organisationen mit gemeinsamen Projekten für Kinder, für das spirituelle Wachstum, für die Erneuerung und Anpassung der Pädagogik, gefördert. Zugleich werden auch persönliche Lebens- und Freundschafts-Gemeinschaften im konkreten eigenen Kreis miteinbezogen. Es geht im vierten Fokus gewiss darum, die globale Vernetzung im möglichen Rahmen zu unterstützen, resp. sich unterstützen zu lassen. Doch es geht im vierten Fokus auch darum, sich im ganz konkreten eigenen Denken, Fühlen und Handeln einzuüben, und dies auch und gerade mit den am nächsten stehenden Personen umzusetzen. Der Erste Fokus besteht darin, diese Grundsätze bei sich selbst umzusetzen, und der vierte Fokus bedeutet, die Grundsätze im Umgang mit andern Menschen, mit Partnern, Betreuten oder Gegnern umzusetzen. Wenn es dem Einzelnen nicht gelingt, bei den nahestehenden Menschen diese Grundsätze ganz konkret im Alltag einzuüben, dann kann man nicht behaupten, sie seien Grundsätze für die Menschheit.

Invitationen als Werkzeuge und Wege

Um diese Ursprungs- und Dienstlinie bei den Mit-Menschen, Mit-Arbeitenden, Mit-Bewohnern, Mit-Akteuren, Mit-Markt-Teilnehmer, Mit-Liebenden, Kon-Kurrenten wirksam werden zu lassen, sind die Strategien und Praktiken der Invitationen zentral. Die Invitation (lateinisch = Einladung) ist jene Strategie, die darin besteht, Befehle und Aufforderungen in Einladungen zu verwandeln, sowie Erwartungen und Ansprüche als ehrliche Angebote darzubieten.

Der inivitative Weg besteht darin, dass alle Lebensbereiche die Chance erhalten, von der Sanftheit, Bewusstheit und Ego-Transformation zu profitieren. Die Zukunft hat nicht mehr die Zeit und die Energie, die privaten Meinungen anders zu gestalten als die politischen. Die Evolution in die Zukunft geht so schnell vorwärts, dass die Entwicklung es nicht mehr erträgt, dass privates und öffentliches Reden auseinanderklaffen. Wenn Eltern oder Lehrende ihren Anvertrauten Wasser predigen und selber Wein trinken, wenn sie sich entschuldigen mit: "Ich bin auch nur ein Mensch" und zugleich das moralische Prinzip "Du sollst gut sein" verbreiten, schafft dies Falschheit und frisst Lebensenergie.

Eigenschaften der Ursprungs- und Dienstgemeinschaft

Die Ursprungs- und Dienstgemeinschaft setzt die Selbstverwirklichung an einen anderen Platz. Sie sorgt dafür, dass die offenen und versteckten Potentiale sich entwickeln und dass die Personen und Anliegen der Neugestaltung der Menschheit einen Platz bereiten, wo diese Anliegen landen, sich entwickeln und wieder starten können. Indem diese Dienstgemeinschaft sich so der Evolution zur Verfügung stellt, zeigt sie einen Trend auf, der über die Selbstverwirklichung hinausgeht.

Die Selbstverwirklichung und emotionale Stimmigkeit wird von den Mitgliedern als Vorarbeit geleistet und in die Dienstbarkeit eingebracht. Die Mitglieder finden sich nicht in einer Gruppe um Selbstfindung zu betreiben, sich selbst zu verwirklichen und sich gegenseitige Komplimente und Anerkennung auszutauschen. Die Mitglieder verfügen über viel Selbstverwirklichung und innere und äussere Autonomie, dass ein Überschuss an Selbstwert und vitaler Robustheit besteht, der in andere Projekte investiert werden kann. Es ist Teil der Qualität des Dienstangebots, dass die Mitglieder in der Lage ist, sich andern Menschen, anderen Entwicklungen und grösseren Entfaltungslinien zur Verfügung zu stellen, ohne von eigenen "Beziehungskisten" oder von der eigenen "Selbstzufriedenheit" gebremst zu werden. Die Mitglieder können für andere und zum Wohl der Zukunft denken, ohne dabei von den eigenen Bedürfnissen gebremst zu werden.

Es ist jedoch ein wesentlicher Teil dieses Angebotes, dass die Selbstverwirklichung nicht weggelassen wird, und dass die eigenen Bedürfnisse nicht geopfert werden, im Gegenteil. Die Selbstverwirklichung ist vorausgesetzt, um sich als Mitglied der Ursprungs- und Dienstgemeinschaft in den Dienst der umfassenderen Zukunft zu stellen.

Ursprung = allein & mit andern über sich hinaus

Ursprungsgemeinschaft = allein und mit andern über sich hinauswachsen

Die Ressourcivität und das Zeitalter der lichtvollen Weite zeigt uns, dass wir weit mehr vermögen, als uns selbst zu verwirklichen. Wir sind in der Lage dem Grossartigen selbst zu begegnen, sei es im Inneren (Meditation, Versenkung, persönliche Einübung) oder in der Begleitung der Nachkommen hin zur Zukunft. Dabei geht es darum, Waffen durch Einladungen zu ersetzen, Flow-Kommunikation zu praktizieren und die Urbildung konsequent in die Wege zu leiten. Urbildung heisst, dass die Selbstverständlichkeiten der Person mit den Selbstverständlichkeiten der Lebensintensität in Übereinstimmung gebracht werden.

Es ist herrlich, über die eigenen Grenzen hinausgehen zu können, und zu merken, dass der Einzelne sich in ein grösseres, intensiveres, dichteres Ganzes einbringen kann ohne etwas zu verlieren. Das eigene Leben wird intensiver, echter und tiefer. In voller Vitalität über sich hinausgehen hiesst nicht, sich opfern, sondern sich intensiver gewinnen. Diese Vertiefung hat mehrere Gründe. Einerseits weil die Nähe zur eigenen vitalen Basis der Existenz grösser wird, anderseits weil die Resonanz stärker wird, die entsteht, wenn der Begleitende beim Betreuten Wesentliches in Gang setzt. Wer das Herz des andern trift, hat mehr Herz. Wer die Genialität des andern weckt, erfährt in sich mehr Genialität, wer Grosszügigkeit weckt, dem gelingt es doppelt so leicht, grosszügig zu sein.

 

Säkularisierung der Säkularisierung

 

Die Ursprungs- und Dienstgemeinschaft leistet einen Beitrag, um die ressourcenverschlingende Haltung der Jetzt-Zeit zu wandeln in eine ressourcierende Haltung der Nächst-Zeit. Unsere gegenwärtige Wohlstandsgesellschaft, die auf extrem hohem technologischen Niveau lebt, verschlingt Unmengen von Ressourcen, gesunde Luft, Energie, Bodenschätze, Ruhe und Ernsthaftigkeit. Sie tut dies, ohne diese Ressourcen wieder zu alimentieren oder dafür zu sorgen, dass sie nachwachsen. Klimawandel, Migrationsströme, immer grösseres Auseinanderklaffen von Arm und Reich, Überhandnehmen von Konsum und Abnahme der eigenen und kollektiven Bildung sind Zeichen davon.

Das angebrochene Zeitalter der Weite ist die Nachfolgerin der Aufklärung und löst diese ab. Das Zeitalter der Aufklärung hat die Religion privatisiert und dabei Meinungsfreiheit gewonnen. Die Aufklärung hat die Macht und Besitztümer der Kirche säkularisiert und den Hexenglauben aus der Welt vertrieben.

Das angebrochene Zeitalter braucht eine Spiritualität, die jenseits von privat und öffentlich wirkt, die jenseits von religiös und säkular positioniert wird. Die Zeit der Weite braucht eine Abwendung von Macht und Habgier auch im ökonomischen Bereich. Dies möchte ich im Folgenden kurz erklären.

Die Säkularisierung selbst ist eine Religion geworden, die darin besteht, dass man die Fragen von Sinn und Grosszügigkeit, von Unendlichkeit und sanfter Tiefe mit den Mitteln der säkularen Technologie beantworten möchten. Dieser neue Glaube soll säkularisiert werden, damit die Zukunft kommen kann. Es ist ziemlich sinnlos, die Fragen von Sinn mit Fragen der Technologie zu beantworten. Was also soll der einseitige Glauben an die Technologie? Keine Technologie erreicht das Herz des Menschen. Dies schafft nur, wer sich auf sein eigenes Herz einlässt. Die Zukunft gehört jenen Ereignissen, die vom Herzen her in Gang gesetzt werden. Es geht darum, die Säkularisierung von ihrem Glauben an die eigene Allmächtigkeit und Allgültigkeit zu befreien, das heisst die Säkularisierung zu säkularisieren, und ihren Glauben auf eine reale Basis zu setzen. Die reale Basis wird nicht durch Tatsachen und nicht durch Gefühle gegeben. Die Realität und ihre Wirklichkeit wird durch Qualität und Intensität des lebendigen Flow gegeben. Es gilt die Säkularisierung durch die Cordialisierung zu ersetzen (cor = lateinisch = Herz).

Humanisierung des Humanismus

Auf die persönliche Ebene übertragen heisst der Aufruf: Humanisiert den Humanismus, denn der Humanismus ist ein Individualismus geworden, der die individuelle Subjektivität ins Zentrum stellt, und damit vom Grund des Humanen wegführt. Der Humanismus hat einen Grad von Subjektivierung erreicht, der erstaunlich ichgläubig ist. Der Mensch stellt sein Ich ins Zentrum und sagt: "Meine Meinung von der Welt, ist die Welt." "Ich bin überzeugt, dass Loyalität nicht so wichtig ist. Meine Meinung ist ebenso gültig wie deine".

Sätze dieser Art sind Zeichen der Ego-Zentrierung, die zur Ausbeutung des Planeten passt. Die Botschaft dahinter: "Nach mir die Sintflut, wenn nur ich gut überlebe." Der Wohlstand und die technologische Erleichterung des Lebens sind der Nährboden, auf dem solche Ich-Bezüglichkeiten wachsen. Das Ego in den Vordergrund zu stellen, ist kein Humanismus, sondern eine Isolation des Menschen in der Gefängniszelle seiner eigenen Ansprüche. Der Humanismus, der sich als Individualismus und Egozentrismus artikuliert ist kein Humanismus, sondern ist ein emotionaler Kapitalismus, der die Welt für sich beansprucht. Was zählt ist das Ich und seine Befindlichkeit. Die Welt hat zu Diensten zu sein.

Ursprungsgemeinschaft und humanistische Gemeinschaft

Die wahre Form des Humanismus dient den Idealen der Aufklärung und des freien, selbstverantwortlichen Menschen mit seiner Umwelt. Doch die Zukunft verlangt, dass wir über den säkularen Humanismus hinauswachsen. Deshalb unterscheidet sich eine Ursprungs- und Dienstgemeinschaft von einer Gemeinschaft mit humanistischer Ausrichtung. Die Differenz beruht auf der Stärke des ressourciven Weltbildes. Der Humanismus hat uns gezeigt, dass die Menschen das Recht haben, für sich selbst da zu sein, und nicht den moralischen und ethischen Werten unterworfen zu sein. Die Würde des Menschen ist wesentlicher als die Befolgung von abstrakten Werten. Ressourcivität geht hier in den nächsten evolutiven Schritt der Menschheit. Sie besagt, dass der Mensch nicht nur für sich selbst da sein darf, sondern dass er zusätzlich über sich hinauswachsen darf. Sie besagt, dass jede Beziehung an Intensität gewinnt, wenn sie auf ihrer Selbstrealisierung aufbaut, und dies nicht als Ziel nimmt, sondern als Basislager.

 

Organisation der Ursprungs- und Dienstgemeinschaft

Die juristische Form der Ursprungs- und Dienstgemeinschaft einer jeden ursprungsgemeinschaft ist die der einfachen Gesellschaft. Die Identität ist jene einer begeisterten Gruppe, deren Mitglieder am selben Strick ziehen, um konkrete Projekte umzusetzen. Die Kriterien für die Qualitätssicherung werden durch die Punkte der Charta gegeben.

Jede Gemeinschaft organisiert sich in lokalen Gruppen. Diese bestimmen Personen für die Leitung, Sprachrohr nach Aussen, die Vernetzung, die Administration, die Publikationen und die Finanzen.